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Übergewicht nimmt überhand

Übergewicht als Volkskrankheit Die Vereinigten Staaten mögen das Land der Freiheit sein, aber sie sind auch das Land der Fettleibigen. In den Vereinigten Staaten beginnt man die Fettleibigkeit als bedrohliche Krise wahrzunehmen.
Inhalt


Im Land der übergrossen Mahlzeiten sind mehr als 119 Mio. Erwachsene übergewichtig oder gar fettleibig (64.5 % der erwachsenen Bevölkerung). Die Fettleibigkeit (Adipositas) soll bei bis zu 300'000 Todesfällen pro Jahr die Hauptursache sein und kostet das Gesundheitswesen Milliarden. Das Problem wächst dabei noch weiter an.
Bis zu den nächsten Olympischen Spielen sagen die Ärzte voraus, dass 3 von 4 Personen einen Body-Mass-Index von mehr als 25 aufweisen und damit die Grenze zur Korpulenz erreicht haben. Das Problem der Fettleibigkeit existiert bereits in den Schulen und wird von den Medizinern für das Land inzwischen als bedrohlicher betrachtet, als die aktuellen Terrorängste.

Ernährungskrise

In den 60'er-Jahren wurden 113 kg (250 Pfund) schwere Spieler im American Football als Riesen betrachtet. In diesem Jahr brachten bereits mehr als 550 Spieler 135 kg (300 Pfund) und mehr auf die Waage. Der durchschnittliche US-Soldat ist heute mehr als knapp 10 kg (22 lbs) schwerer als sein Ur-Grossvater aus dem zweiten Weltkrieg. Militärische Stellen sagen klar, dass eine zunehmende Anzahl der potentiellen Rekruten zu schwer ist, um für den Militärdienst überhaupt noch geeignet zu sein.

Shelley Hearne, Vorsitzende von Trust for America's Health (TFAH), meint, dass die Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Fettleibigkeit einen Zustand von politischer


Paralyse erreicht haben. Man hat bezüglich Ernährung und körperlicher Inaktivität eine klare Krise und bleibt in der Debatte darum stecken. Man muss nun endlich auch damit umgehen. Dazu wird aber sicher auch noch besseres Datenmaterial benötigt, damit endlich klare Entscheidungen getroffen werden können.

Einige Wissenschaftler meinen zur ganzen Diskussion, dass der Fokus der Diskussion nicht immer nur beim Gewicht liegen sollte. Die meisten stimmen aber in der Beurteilung überein, dass der amerikanische Lebensstiel ungesund ist und dass eine dringende Notwendigkeit besteht, diesen Lebensstiel zu ändern.

Beunruhigende Tendenz

Die Vereinigten Staaten sind eines der am schlimmsten betroffenen Länder auf der Welt. Prozentual sieht es aber hinsichtlich Fehlernährung andernorts offenbar noch schlechter aus. Besonders im Iran, in Saudi-Arabien und in Australien nimmt der Anteil an Fettleibigen bei den Erwachsenen offenbar erschreckend stark zu. Auf einigen Inseln im südlichen Pazifik trifft man offenbar bald gar keine schlanken Personen mehr an. Die Rate an Fettleibigen liegt in Nauru und im Westlichen Samoa bei fast 75 %. Die Vereinten Nationen sagen, dass weltweit die Anzahl der Übergewichtigen immerhin zum ersten Mal im Bereich der Anzahl der Untergewichtigen liegt.

Dennoch steht bisher meist nur das Adipositas-Problem in den USA und den Industrieländern

im Rampenlicht. Dies mag damit zusammen-hängen, dass erst der allgemeine Wohlstand und die moderne Lebensweise es ermöglicht, über das Problem nachzudenken. Besonders in Amerika tritt der allgegenwärtige Junk Food und die allgemeine Bequemlichkeit auffällig in Erscheinung.

Morgan Downey, Vorsitzende der amerikanischen Adipositasgesellschaft (American Obesity Association), meint, dass für die Amerikanern immer reichlich und dazu noch preiswerte Nahrung verfügbar war. Ausserdem wurde die körperliche Arbeit durch den technologischen Fortschritt und insbesondere das Auto immer weniger. Diese Entwicklung der Gesellschaft ist der Kern des Problems.

Armut als wichtiger Einflussfaktor für die Fettleibigkeit

Im Unterschied zu vielen Entwicklungsländern, wo Übergewicht eine Erscheinung des neuen Wohlstandes ist, sind in den Vereinigten Staaten die prekärsten Zustände im armen Südosten zu finden (Mississippi, Alabama und Louisiana). Hier gibt es vielerorts grosse Bevölkerungsgruppen, bei denen Convenient Food als preiswerte, bequeme aber eben auch


ungesunde Nahrung zum Normalfall geworden ist. Gleichzeitig wurde sowohl die Gesundheits-aufklärung als auch das Angebot für sportliche Betätigung stark eingeschränkt. Als klarer Kontrast dazu steht die Bevölkerung in Colorado, wo das Durchschnittsgewicht der Bevölkerung am tiefsten liegt, weil die Outdoor-Kultur in den Bergen sehr populär ist.

Ansätze zur Veränderung

Professor Kelly Brownell, Vorsitzender des Rudd-Institutes für Ernährungspolitik und Adipositas in Yale, versucht die Regierung dahingehend zu beeinflussen, dass die ungesunde Lebensweise im Land schrittweise verändert wird. Er meint, das Hauptproblem seien insbesondere die riesigen Umsätze, die mit den Übergewichtigen gemacht werden. Es gibt zwar in der Regierung einige die hart für eine Veränderung arbeiten, doch seien diejenigen, die zur Nahrungsmittelindustrie-Lobby gehören zahlenmässig noch weit überlegen.

Viele Probleme rund um das Übergewicht sind aber auch lokal begründet. Fast die Hälfte aller öffentlichen Schulen in den Vereinigten Staaten hat mit Getränke-Firmen exklusive Verträge. Diese berechtigen sie, an den Schulen exklusiv und ausschliesslich die meist stark zuckerhaltigen, alkoholfreien Getränke zu liefern. Auch hier würden enorme Profite gemacht.

Die amerikanische Getränkeindustrie bestreitet allerdings energisch, dass der Verkauf solcher Süssgetränke in den Schulen etwas mit der steigenden Fettleibigkeit bei den Kindern zu tun hat. Einige Firmen bereiten sich jedoch inzwischen bereits auf diesbezügliche gerichtliche Auseinandersetzungen vor.


Übergwichtige Kinder
Dies zeigt, dass gerade dieser Bereich allenfalls eine Schlüsselstelle ist, um die Zeitbombe 'Übergewicht' etwas zu entschärfen. An den Schulen reift denn auch die Überzeugung immer mehr, dass man sich auf den Schutz der Kinder konzentrieren muss. Es ist sicher schwieriger einmal angenommene Gewohnheiten wieder zu ändern, als diese präventiv gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Links

  • Schweizerische Adipositas-Stiftung (SAPS)



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BB / 24.12.2005 - Last update: 06.08.2011
Autor: Dr. Bruno Baumann / Seitenaufrufe:

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