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Gentechnik und Lebensmittel

Oft werden grundsätzlich ablehnende Positionen vertreten. Doch was wissen wir wirklich über Gentechnik?
Während die Anwendung von gentechnischen Methoden im Bereich von Medizin und Pharmaindustrie heute schon fast selbstverständlich ist und kaum von einer Seite ernsthaft in Frage gestellt wird, werden im Zusammenhang mit Lebensmitteln und GVO-Produkten häufig kritische Fragen gestellt. Oft werden aber auch aus rein grundsätzlichen und weltanschaulichen Überlegungen ablehnende Positionen vertreten.

Wir wollen hier einen Beitrag zur objektiven Meinungsbildung beisteuern und dazu auch Exponenten der beiden Lager zum Wort kommen lassen.

Inhalt

Auch Ihre Meinung dazu ist erwünscht. Benutzen sie unser Diskussionsforum!


Was ist Gentechnik?

Gentechnologie ist ein Teilbereich der Biotechnologie. Mit gentechnischen Methoden lassen sich spezifische Erbanlagen (Gene) innerhalb und auch über die Artengrenzen hinweg in gezielter Weise übertragen. Damit lassen sich auch Ziele der traditionellen Züchtung direkter und schneller erreichen.

Vor- und Nachteile

Problematik / Kritikbereiche

Es gibt kritische Stimmen, die sich aus grundsätzlichen Überlegungen gegen jede Anwendung oder sogar die Forschung auf dem Gebiete der Gentechnologie aussprechen (Religion, Ethik, Eingriff in die Schöpfung).

Oft sind auch Befürchtungen über die Auswirkungen auf die Umwelt (Gefährdung der Artenvielfalt, unerwünschte Resistenzübertragungen, Verunmöglichung von GVO-freiem Anbau wegen Verschleppung), die menschliche Gesundheit, sowie auf das sozio-ökonomische Gleichgewicht (Monopol-Bildung, Drittweltproblematik) zu hören.

Neben dieser die Gentechnologie allgemein betreffenden Problematik ergibt sich für Lebensmittel aus der Tatsache, dass sie gegessen und damit quasi "verinnerlicht" werden, eine besonders sensible Situation. Diese ist einerseits im besonders emotionalen Verhältnis des Menschen zu seiner Nahrung begründet, andererseits gibt es einige konkret genannte Problembereiche, welche direkt mit der Aufnahme (Verzehr) gentechnisch veränderter Lebensmittel oder darin enthaltener Zutaten zusammenhängen (gemeint sind alle Organismen, d.h. Pflanzen, Tiere, Bakterien).

Vorteile / Konsumentennutzen

Mit der Gentechnik eröffnet sich ein enormes Potential an neuen Anwendungsmöglichkeiten. Zur Zeit wird auf dem Gebiet der Lebensmittel erst ein eng begrenztes Spektrum kommerziell genutzt. Viel mehr ist jedoch auf der Stufe von Forschung und Entwicklung in Vorbereitung.

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle sind die Vorteile der gentechnologischen Anwendungen zum Nutzen der Landwirtschaft oder - in geringerem Masse - der verarbeitenden Industrie oder dem Handel zugedacht. Nur in ganz wenigen Fällen wird der Endverbraucher als direkter Nutzniesser gesehen: Sei es in Form von verbesserten Nährwerten, besserem Genusswert oder anderen gesundheitlichen Vorteilen.

Contra Pro
Alles hat Vor- und Nachteile. Diese müssen sorgsam gegeneinander abgewogen werden. Zwei dezidierte Meinungen finden Sie, wenn Sie auf die Würfel clicken...

Anwendungen der Gentechnik im Bereich der Lebensmittel

Chymosin

Was ist Chymosin?

Das säugende Kalb weist in seinem Labmagen ein Enzym auf, welches die aufgenommene Milch gerinnen lässt und so der weiteren Verdauung zugänglich macht.

Die Käser machten sich diese Eigenschaft schon in frühen Zeiten zunutze, indem sie einem frisch geschlachteten Kalb einen Teil des Mageninhaltes entnahmen, den sie dann zur Milch gaben und damit den erwünschten "Bruch" der Milch erzielten.

Seit einiger Zeit wird dieses Enzym (Gerinnungsfaktor bei der Käseherstellung) industriell gewonnen, standardisiert und der Käse-Industrie als Produktionshilfsmittel zum Kauf angeboten (nach wie vor aus Kälbermägen).

Für gewisse Käse-Sorten (aber nicht für alle) eignet sich auch ein biotechnisch, aber nicht notwendigerweise gentechnisch, hergestelltes Ersatzprodukt.


Gentechnisch gewonnenes Chymosin
(Lab-Enzym für die Käseherstellung)

Die Entwicklung der Gentechnik hat es möglich gemacht, das Gen, welches beim Kalb den "Bauplan" für die Bildung dieses Enzyms darstellt, zu isolieren und in ein bekannter-massen harmloses und verbreitetes Bakterium (Escherichia coli resp. in Hefe) zu transferieren. Dieser Organismus ist damit in der Lage, dieses Enzym ebenfalls herzustellen. Mit biotechnischen Methoden wird das Lab-Enzym nun unabhängig vom Kalb hergestellt. Dieses ist analytisch nicht vom Chymosin aus dem Kälbermagen zu unterscheiden. Sein gentechnischer Ursprung ist auch nicht mehr nachweisbar, da das Enzym isoliert und von Zellbestandteilen gereinigt wird. Es muss hier auch ganz klar darauf hingewiesen werden, dass solcherart hergestellter Käse keine Genetisch veränderte Organismen (GVO) enthält. Er wurde nur mit einem aus solchen Organismen gewonnen Enzym hergestellt. Zu erwähnen ist auch, dass das eingesetzte Enzym im Endprodukt nicht mehr vorhanden ist. Wie bei allen enzymatischen Vorgängen sind nur ganz geringe Mengen notwendig und die Proteinstrukturen der Enzyme sind nicht stabil genug, um den Herstellungsprozess in aktiver Form zu überstehen.

In der Schweiz ist die Verwendung dieses mit Hilfe eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO) hergestellten Lab-Enzyms (Chymosin) seit 1988 amtlich bewilligt. Trotzdem verzichtet die schweizerische Käseindustrie jedoch freiwillig auf dessen Verwendung, obwohl möglicherweise viele Leute einen Käse vorziehen würden, der ohne Verwendung von Kälbermägen hergestellt wird.

Die englische Co-op (UK) hatte als erste Organisation die Verwendung dieses Enzyms deklariert und die nicht-tierische Herkunft dieses Produktionshilfsmittels als speziellen Konsumenten-Nutzen hervorgehoben ("Vegetarian Cheddar, Produced using Gene Technology, and so free from Animal Rennet").

Schema zur Herstellung von Chymsoin mit Hilfe von Hefen
Schema zur Herstellung von Chymosin mit Hilfe von Hefen (Siehe auch hier...)


Hormone

Auch Hormone können mit Hilfe von Mikroorganismen biotechnologisch hergestellt werden, indem diesen das entsprechende Gen eingepflanzt wird. Beispiele hierfür sind das für Diabetiker lebenswichtige Insulin (in diesem Fall identisch mit dem von gesunden Menschen ausgeschütteten Insulin), und das zur Zeit vor allem aus wirtschaftlichen Gründen heiss umstrittene BST (Rinder-Somatotropin zur Steigerung der Milchleistung). Weitere Enzyme, Hilfsstoffe und Zusatzstoffe für die Lebensmittel-Industrie oder andere Anwendungen (Waschmittel) werden bereits in grossen Mengen hergestellt. Weit verbreitet sind z.B. Stärke verzuckernde Enzyme, welche zur Herstellung von Glucose- und Stärkesirup verwendet werden. Diese wiederum werden in Süsswaren, Speiseeis usw. eingesetzt.


Gentechnisch veränderte Hefen und Milchsäurebakterien

Gewerblich oder industriell genutzte Mikroorganismen, wie Hefen zur Brot- oder Bierbereitung oder Milchsäurebakterien für Joghurt und Käse werden seit Pasteur's Zeit gezielt gezüchtet und in traditioneller Weise genetisch optimiert.

Mit Hilfe gentechnischer Methoden kann dies schneller und gezielter erfolgen und es ist auch möglich, Eigenschaften, welche in einer anderen Spezies vorhanden sind, in diese Organismen zu transferieren (Beispiele: Bäckerhefe, die schneller treibt; Bierhefe, die weniger Alkohol produziert; Milchsäurebakterien, die ein feineres Aroma produzieren).


Krankheitsresistente Pflanzenarten

Seit der Mensch Ackerbau betreibt, werden Nutzpflanzen bewusst gezüchtet. Über die Jahrtausende haben sich unsere landwirtschaftlich genutzten Pflanzen in der Folge stetig verändert. Die Zuchtziele waren vor allem auf hohe Erträge ausgerichtet, wobei sich die Krankheits- und Schädlingsbekämpfung stark auf die Anwendung von chemischen Mitteln stützte.

Mit gentechnischen Methoden wird heute vor allem versucht, den agronomisch interessanten Kulturpflanzen Gene einzuverleiben, die ihnen eine erhöhte Resistenz verleihen. Diese Gene können entweder von Pflanzen der gleichen Art (Wildpflanzen), von anderen Arten, von Bakterien (z.B. Bacillus Thuringiniensis) oder von Viren stammen.

Bei allen wichtigen Kulturpflanzen (wie z.B. Mais, Kartoffeln, Soja, Baumwolle, Reis usw.) gibt es heute bereits gentechnisch veränderte Varietäten. Darin liegt einerseits ein grosses Potential zur Verminderung des Einsatzes von chemischen Mittel bei der Schädlings- und Krankheitsbekämpfung, auf der anderen Seite besteht aber die Gefahr, dass grosse Konzerne eine wirtschaftliche Monopolstellung erreichen können.

Letzteres Risiko besteht vor allem dann, wenn Nutzpflanzen gegen ein spezifisches hochwirksames Herbizid resistent gemacht werden, damit man dieses dann beim Anbau

mit grosser Wirkung gezielt einsetzen kann. Der Farmer ist dann gezwungen den Samen und das darauf abgestimmte Herbizid in der Regel bei der gleichen Firma zu kaufen. Es ergibt sich daraus ein problematisches Abhängigkeits-verhältnis mit monopolartigen Strukturen. Ferner handelt es sich in solchen Fällen in der Regel um Hybridzüchtungen. Dies bedeutet, dass aus der erntereifen Pflanze kein brauchbares Saatgut abgezweigt resp. gewonnen werden kann. Der Bauer muss das Saatgut für die nächste Aussaat somit zwangsläufig wieder neu zukaufen. Diese Problematik wird vor allem beim Einsatz in Entwicklungsländern kritisiert.
Mais
Mais - Als Diskussionsthemen tauchen regelmässig Bt10, Bt11 etc auf...


Verbesserung des Nährwertes

Mit Hilfe von züchterischen Methoden, seien diese nun konventionell oder auf Gentechnik beruhend, kann auch der physiologische Wert einer Pflanze verbessert werden. Im Vordergrund steht hier die Optimierung der Eiweissfraktion (Soja, Getreide), sowie der Zusammensetzung der Fette und Öle.

Ein sogenannter Vitaminreis wurde speziell für Bevölkerungsgruppen entwickelt, die an Vitamin-A-Mangel leiden (Avitaminosen). Dabei handelt es sich vor allem um arme Bevölkerungsgruppen in asiatischen Gebieten, die sich sehr einseitig von Reis ernähren. Im Extremfall führt der Vitamin-A-Mangel vor allem bei Kindern zu Sehbehinderungen und schliesslich bis zur völligen Erblindung. Dem Reis wurde mit gentechnischen Methoden die Fähigkeit einverleibt, Karotin (Provitamin A) zu bilden. Die zugrunde gelegte Wirksamkeit in der Bekämpfung des Vitaminmangels ist damit zweifelsfrei gegeben.

Allerdings ist dieser Reis von der Bevölkerung (oder den Regierungen) bisher fast durchwegs abgelehnt oder schlecht akzeptiert worden. Ein Hauptgrund, neben grundsätzlichen gesundheitlichen oder fundamentalen Bedenken, liegt darin, dass der Reis nicht mehr rein weiss, sondern gelblich ist und damit nicht der traditionellen Vorstellung von Reis entspricht. Ein weiterer Grund ist das diesem Reis anhaftende Image der Armennahrung.

Weitere Möglichkeiten zur Nährwertverbesserung oder zur Erzielung physiologischer Vorteile:

  • Entkoffeinierung: Kaffeepflanzen, die kein Koffein bilden, machen den technischen Koffein-Entzug überflüssig.
  • Antinutritive Faktoren: Auch das Wegzüchten von antinutritiven Faktoren ist ein erstrebenswertes Ziel (z.B. Protein-Inhibitoren in Bohnen, Soja).
Sojabohne
Die Sojabohne - Eine Paradebeispiel für den Einsatz gentechnologischer Methoden


Verbesserung des Genusswertes

Zu diesem Bereich zählt beispielsweise die in den USA vor rund 10 Jahren entwickelte "Flavr-Savr"-Tomate®. Dabei wurde mit einer speziellen gentechnischen Methode ein Gen blockiert (Antisense-Technik), das normalerweise die Tomate überreif und matschig werden lässt.

Die Tomate soll in der Folge einen höheren Genusswert aufweisen, da sie am Strauch ausreifen kann, dabei das volle Aroma entfaltet und anschliessend trotzdem ohne Beschädigung in die Verkaufsstellen und zum Verbraucher transportiert werden kann.


Sicherheit / Verbraucher-Information / Akzeptanz:

Wem nützt die Gentechnik?

Aus der kleinen Auswahl der oben aufgeführten Beispiele ist nicht zu übersehen, dass die Hersteller von Lebensmitteln oder der Landwirt am häufigsten als Nutzniesser dieser Entwicklungen anvisiert wird. Der Konsument wird nur selten als Nutzniesser in Betracht gezogen. Auch diese Tatsache trägt zur ablehnenden Haltung weiter Konsumentenkreise bei.

Die Ökonomische Vorteile liegen bei den höheren Erträgen, bei mehr Produktionssicherheit und bei rationellerer Produktionsweise. Falls die Produktion ökologischer gestaltet wird, profitiert die Umwelt und damit auch die Gesellschaft als Ganzes (weniger chemische Schädlingsbekämpfung). Auch ist es denkbar, dass tiefere Produktionskosten auf den Markt durchschlagen. Dann könnte letztlich auch der Konsument von tieferen Preisen profitieren.

Akzeptanz

Bis anhin konnte der Konsument allerdings noch nicht von solchen Vorteilen überzeugt werden. Im Gegenteil, die kritischen und ablehnenden Stimmen sind nicht versiegt, sondern haben eher noch zugenommen. Die Gesetzgebung hat sich dieser ablehnenden Haltung angepasst und strenge Vorschriften in Bezug auf die Zulassung von gentechnischen Methoden sowie der Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit in Kraft gesetzt (siehe auch hier). Ganz verbieten oder unterdrücken lässt sich diese Technologie, die bei vielen als Schlüsseltechnologie gilt, mit Sicherheit nicht. Es geht im Moment in der Diskussion vielmehr darum die konventionelle Produktion durch geeignete Massnahmen vor einer "schleichende Verunreinigung" zu schützen, damit dem berechtigten Willen der Verweigerer entsprochen werden kann.

Darüber, ob ein Verbot oder ein Verzichtsmoratorium für einzelne Regionen für gewisse Anwendungen wünschenswert oder auch nur verhältnismässig wäre, gehen die Meinungen weit auseinander. Man darf auch nicht vergessen, dass eine weltweite Umsetzung kaum durchgesetzt werden kann.

Die verschiedenen Anwendungsbereiche der Gentechnik, deren spezifische Zielsetzungen sowie auch Risiken und Vorwurfsbereiche finden Sie hier in tabellarischer Form zusammengestellt.

Ihre Meinung

Wir würden gerne erfahren, wie Sie sich zu diesem Thema stellen und weisen Sie deshalb auf unser Diskussionsforum hin. Sie finden im Folgenden auch zwei zwei Autorenbeiträgen über die Gentechnik, die jeweils aus Ihrer Sicht und ihrer Argumentation eine ablehnende resp. eine befürwortende Position einnehmen:

  • Gentech gegen Hunger? - Die Gentechfrei-Debatte aus Sicht der Hilfswerke von Caroline Morel, Geschäftsleiterin von Swissaid
  • Gegen Gentech-Feindbild - Eine Entgegnung von Daniel Heller, Mitglied des aargauischen Grossen Rates und Präsident der FDP-Fraktion

Hier geht es zum Diskussionsforum...



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RB / BB / 5.10.2005 - Last update: 18.10.2005
Autor: Dr. Bruno Baumann / Seitenaufrufe:
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