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Fastenwähe

Das beliebte Gebäck wurde im Jahr 1554 erstmals schriftlich erwähnt und ist vor allem im Raum Basel bekannt.

Albert Spycher beschäftigt sich mit dem Brauchtum der Region Basel und hat unter dem Titel "Back es im Öfelin oder in der Tortenpfann - Fladen, Kuchen, Fastenwähen und anderes Gebäck" ein einschlägiges Buch* herausgegeben. Er berichtet hier über die Geschichte der Fastenwähe.

Weiterführende Informationen zum Buch finden Sie hier...

Inhalt


Früheste Erwähnung von Fastenwähe
Die früheste schriftliche Erwähnung
der "Fastenweÿen" vom 7. März 1649:
Kommissar Eckh besichtigte die Wein-
trotte des ehemaligen Claraklosters
und hat zusammen mit den Herren
Pflegern "einen Trunckh gethan",
wobei auch Salat, geräuchte Zunge,
Hahnen, Kalbsbraten, Tauben,
Weissbrot und 10 Mass Wein auf
den Tisch kamen.

Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt *

Geschichte

Die Geschichte der Fastenwähe führt ins 16. Jahrhundert zurück, als die Herren der Basler Safranzunft beim Aschermittwochsmahl, Klosterleute während der vorösterlichen Fastenzeit und Lateinschüler am St. Gregoriustag (12. März) "weÿen" oder "weÿgen" verzehrten. Anno 1554 war den Rheinfelder Bäckern vorgeschrieben, in welcher Geldwährung sie "Fastenwegenn" verkaufen durften. In Basel wurden "Fastenweÿen" erstmals im Beleg für ein Essen der Klostergutsverwalter zu St. Clara am 7. März 1649 aktenkundig.

Da keine Beschreibungen vorhanden sind, ist anzunehmen, dass jene "weÿen" für die Schulknaben den Gregoriusbrezeln und die "Fastenweÿen" den Fastenbrezeln anderer Gegenden des deutschsprachigen Raums entsprachen. Nach Auskunft von Sprachwissenschaftlern sind die unterschiedlich geschriebenen Begriffe gleichbedeutend als "weÿen" zu lesen. Die Verwechslung mit "Wecken" ist auszuschliessen.

Der Basler Gelehrte Johann Jakob Spreng schrieb um 1760 in sein "Idioticon Rauracum", die "Fastenwaÿe" oder "Waaie" sei eine "ablängliche Fastenbrezel mit einem Kreuz in der Mitte" und bezog sich auf das althochdeutsche "waehe" im Sinn von etwas Zartem. Der Ausdruck "Wähe" etwa für die Apfel- oder Zwiebelwähe wanderte erst später aus der oberelsässischen Mundart nach Basel, wo man solche Kuchen "Daarten" (Torten) nannte. Das Rezept im Kochbuch der Valeria Huber von 1773, Milchbrot in Form einer Fastenwähe zu machen, bestätigt Sprengs Erklärung: "Der Teig wird gezogen bis er eine lange Schlangen ist, in der Mitte bleibt er dicker. Man legt ihn aufs Weÿenblech und umschlingt ihn zu einer Fastenweÿen". Das Bäckergewerbe hinterliess nur vage Angaben über deren Zutaten und Herstellung. Immerhin ist bekannt, dass die Weissbäcker das Produkt als "Brotwaaie" herstellten und sich wehrten, als Pastetenbäcker beabsichtigten, Spanischbrotteig (Blätterteig) zu verwenden.

Die Weissbäcker mussten sich vor Weihnachten entscheiden, ob sie im folgenden Jahr Fastenwähen oder "Ankenwecken" (Butterwecken) backen wollten. Beides zusammen war nicht erlaubt. Die Vorgesetzten der Brotbeckenzunft bestimmten an einem Stichtag anhand der aktuellen Getreide- und Butterpreise Teiggewicht sowie Stückpreis der Fastenwähen und begrenzten das Angebot auf die Zeit nach dem Dreikönigstag bis und mit Ostersonntag. Selbst altbackene Fastenwähen mussten zum festgesetzten Preis verkauft werden. Das Herumtragen in Körben und Ausrufen in den Gassen war verboten. Gegen diese Vorschriften wurde trotz zahlreich verhängter Bussen häufig verstossen.

Die Fastenwähe war keine Fastenspeise im kirchlich-religiösen Sinn, sondern ein traditionelles Luxusgebäck mit zunft- und gewerbepolitischem Hintergrund. In Notzeiten verbot der Rat von Basel die Herstellung von Fastenwähen und jeglichem "Ankenzeug".Nach oben


Ältestes mit einem Herstellerzeichen versehenes Fastenwähen-Abstecheisen der Firma R. Dick (um 1930)
Ältestes mit einem Herstellerzeichen
versehenes Fastenwähen-Abstecheisen
der Firma R. Dick (um 1930) *
Industrielle Herstellung

Mit dem Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert wuchs der Bedarf an Backwaren stetig an. Zur rationellen Herstellung der Fastenwähen im Kleinbetrieb wurde ein handliches Abstecheisen, das "Faschtewaaie-Yseli" konstruiert. Grossbäckereien begannen mit leistungsfähigen Stanzschablonen zu arbeiten.

1899 trat die im Jahr 1969 eingegangene Aktiengesellschaft Bretzel- und Zwiebackfabrik Christian Singer als erster Grosshersteller in Erscheinung. 1921 folgte die Bäckerei des Allgemeinen Consumvereins beider Basel (ACV, heute Coop), und seit 1949 fabriziert die Jowa AG Fastenwähen für die Migros-Genossenschaft.

Die jährlichen Produktionsziffern jeder dieser Grossbäckereien übersteigen heute die Millionengrenze und bilden eine ernsthafte Konkurrenz für die Klein- und Mittelbetriebe. Nach oben


Fastenwähe mit handgeschmiedetem Formeisen
Fastenwähe mit hand-
geschmiedetem Formeisen *
Saison
Die Saison der Fastenwähen beginnt traditions-gemäss nach dem Dreikönigstag und endet bei rückläufiger Nachfrage kurz nach der Basler Fasnacht.


Verbreitungsgebiet

Die Verbreitung der Basler Fastenwähe beschränkt sich auf die Stadt Basel und ihre Umgebung bis in die Gegend von Frick, ins Laufental und die unmittelbare badische Nachbarschaft.

Ein wenig bekannter Fastenwähenbrauch wanderte im 19. Jahrhundert vom Städtchen Kaiserstuhl in die Gegend von Waldshut und ins Zürcher Unterland, wo er von der Bäckerei Schlatter in Stadel lebendig gehalten wird.

Die ältere Generation genoss das butterfreie Gebäck an den drei Fastnachts-Wochenenden zum Bier und hat es als Examenwecken in Erinnerung.Nach oben


Rezept

Das Rezept für Fastenwähen finden Sie hier....


Teigformung für Fastenwähen Hausgemachte Fastenwähen
Bevor die Fastenwähe in den Ofen kommt, wird jeder einzelne ausgestanzte oder ausgestochene Teigling von Hand zur endgültigen Form auseinandergezogen. *
Hausgemachte Fastenwähen *

* Alle Fotos: Albert Spycher

** Aus: Albert Spycher: Back es im Öfelin oder in der Tortenpfann - Fladen, Kuchen, Fastenwähen und anderes Gebäck, Schwabe Verlag Basel, ISBN 978-3-7965-2383-0



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Rezepte für weiteres Gebäck finden Sie hier...
AS, BB / 22.1.2008 - Last update: 29.01.2008
Autor: Dr. Bruno Baumann / Seitenaufrufe:
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